Semaphor

Erschienen am 19. April 2020 in Truppstunde

Sven Mühlen

Sven Mühlen

 

Bereits vor der Erfindung elektronischer Kommunikationsmittel gab es Systeme, die eine relativ schnelle Nachrichtenübermittlung über weite Strecken ermöglichten. Während der französischen Revolution, ab 1794 wurde das erste optische Telegrafie -netz, bestehend aus auf Türmen postierten Winkerarmen in Frankreich (unter staatlicher Kontrolle) aufgebaut. Durch die in dieser Zeit bereits verfügbaren ersten achromatischen Objektive konnten große Strecken überbrückt werden.

Auch ohne Fernrohr ist es durchaus möglich, Semaphor z.B. bei einem Geländespiel oder einer Wanderung in mehreren Gruppen zur Nachrichtenübermittlung einzusetzen. Es empfiehlt sich die Verwendung quadratischer roter Fahnen (ca. 40 x 40 cm) mit einem weißen Quadrat (ca. 20 x 20 cm) in der Mitte. ebenfalls gut zu erkennen sind diagonal unterteilte Quadrate, eine Hälfte rot, die andere gelb oder weiß.

Großer-
Kreis
ABCD
A B C D E F G
A-Kreis
H I K L M N
B-Kreis
O P Q R S
C-Kreis
T U Y Irrung
D-Kreis
Zahl J V
E-Kreis
W X
F-Kreis AchtungGrundstellung
Z Achtung Grundstellung

Das oben abgebildete Semaphor -alphabet wirkt auf den ersten Blick ziemlich willkürlich. Auf welchem System es beruht, wird klarer, wenn man ein etwas anderes Verfahren der Darstellung benutzt. Im Folgenden werden die Stellungen der Semaphor -arme bzw. der Flaggen im Uhrzeigersinn mit den Ziffern von 0 bis 7 bezeichnet, wobei (wie oben) nicht vom gebenden, sondern vom lesenden Partner aus gesehen wird:

Die Bedeutung der Armstellungen ist dann:

01 = A 05 = E 13 = I 17 = N 26 = R 36 = Y 47 = V

02 = B 06 = F 14 = K 23 = O 27 = S 37 = 56 = W

03 = C 07 = G 15 = L 24 = P 34 = T 45 = 57 = X

04 = D 12 = H 16 = M 25 = Q 35 = U 46 = J 67 = Z

wie man sieht, ist die ganze Sache bis zum Buchstaben U sehr regelmäßig, wenn man von dem verschobenen J einmal absieht.

Beim Winken wie beim Morsen besteht die Betriebsstelle aus zwei Leuten: dem Winker und Leser und dem Schreiber. Der Schreiber notiert nur, was der Winker und Leser ihm diktiert. Während des Betriebes steht nur der Winker und Leser, alle anderen sitzen oder liegen. Die Beine stehen beim Winker gespreizt, die Zeigefinger liegen lang am Flaggenstock.
Man beginnt die Sendung mit dem Zeichen “Achtung”, indem man den Buchstaben “R” gibt und beide Arme gleichzeitig auf und ab bewegt, bis die Gegenseite aufmerksam geworden ist. Zum Zeichen der Sendebereitschaft gibt sie “K” (kommen- anfangen). Nun beginnt die Sendung. Zwischen den einzelnen Buchstaben geht man nicht in dir Grundstellung zurück, sondern lediglich zwischen Doppelbuchstaben, jedoch ohne Pause. Dagegen geht man nach jedem Wort in die Grundstellung zurück und macht eine kleine Pause. Der Empfänger gibt nach jedem Wort das Zeichen “C” verstanden. Wird nach einem Wort das Zeichen “C” nicht gegeben, muss der Sender das Wort wiederholen. Der Schreiber notiert die Buchstaben einzeln, so wie er sie diktiert bekommt. Worte werden durch einen Schrägstrich voneinander getrennt. Für Zahlen von 1 bis 0 werden die Buchstaben A bis K verwendet (das J fällt dabei aus). Vor und nach jeder Zahlengruppe gibt man das Zeichen “Zahl”, am besten jedoch sendet man Zahlen ausgeschrieben. Wollen wir nach einer Zahlengruppe wieder Buchstaben senden, dann winken wir vorher den Buchstaben “J”(Buchstabenzeichen).
Sobald der Empfänger ein Zeichen nicht versteht, gibt er das Zeichen “imi”, und die Sendestation wiederholt die Buchstabengruppe. Irrt die Sendestation, so gibt sie das Zeichen “Irrung” und wiederholt die falsch gesendete Buschstabengruppe.
Am Ende einer Sendung wird das Zeichen “AV” gegeben. Die Empfängerstation antwortet mit der Quittung “R” (richtig verstanden), und die Sendestation schließt mit dem Zeichen “VA” (Ende des Sendeverkehrs).

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